Geschlechtergerechtigkeit

Geschlechtergerechtigkeit ist Voraussetzung für eine gerechte und zukunftsfähige Stadt. Sie betrifft Arbeit, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Kultur sowie Verkehr und Stadtplanung gleichermaßen. Frauen und Männer erleben Wiesbaden unterschiedlich: Frauen sind häufiger von Armut, Care-Arbeit, Gewalt und Unsicherheit im öffentlichen Raum betroffen, während Männer noch immer Führungspositionen dominieren und stärker das Auto nutzen. Auch Gesundheits- und Bildungsangebote spiegeln diese Unterschiede wider.

Für uns GRÜNE ist Geschlechtergerechtigkeit kein Randthema, sondern Querschnittsaufgabe: Sie macht unsere Stadt gerechter, sicherer und lebenswerter – für alle Wiesbadener*innen.

Was Geschlechtergerechtigkeit für uns bedeutet

Sicher unterwegs, immer und überall

Frauen nutzen den ÖPNV und gehen oft zu Fuß. Beleuchtung, sichere Haltestellen und öffentliche Räume schützen vor Gewalt und Catcalling.

Faire Arbeit

Ungleiche Bezahlung und Mehrfachbelastung betreffen besonders Frauen. Wir schaffen Strukturen für gerechte Erwerbs- und Care-Arbeit.

Parität

Gremien und Verwaltung müssen die Vielfalt Wiesbadens widerspiegeln – echte Parität ist demokratische Selbstverständlichkeit.

Gesundheit

Zugang zu Verhütungsmitteln, Periodenprodukten und frauenspezifischer Vorsorge stärken wir. Geschlechtergerechte Versorgung sichert echte Wahlfreiheit.

Intersektionalität

Intersektionalität beschreibt Mehrfachdiskriminierung, z. B. bei Frauen of Color oder TINA*-Personen. Wir stärken Sichtbarkeit und Teilhabe, damit Wiesbaden alle Perspektiven einschließt.

Was wir konkret in diesem Bereich tun wollen

Wir wollen eine Stadt der kurzen Wege, in der alle wichtigen Ziele in 15 Minuten erreichbar sind. Das spart Zeit – besonders für Frauen, die noch immer den Großteil der Sorgearbeit leisten. Gleichzeitig sorgt weniger Autoverkehr und nachhaltige Mobilität für sichere, gut beleuchtete Wege und Plätze, auf denen sich Frauen freier bewegen können. Nahversorgung im Stadtteil stärkt Nachbarschaften und macht das Leben einfacher.

Frauen und Männer nutzen Verkehr unterschiedlich. Frauen legen häufiger Wegeketten zurück, sind öfter mit Kindern oder Einkäufen unterwegs und achten besonders auf Sicherheit. Deshalb braucht Wiesbaden barrierefreie Fahrzeuge, sichere Haltestellen, dichte Takte auch abends und faire Tarife. Wir setzen uns dafür ein, dass der neue Nahverkehrsplan die Mobilitätsbedürfnisse aller berücksichtigt und so echte Gleichberechtigung im Alltag schafft.

Wir unterstützen die Kampagne „Catcalls of Wiesbaden“ und stärken so die Aufmerksamkeit für Alltagssexismus. Sichtbarkeit ist der erste Schritt, um der Belästigung konsequent entgegenzutreten. Wir wollen die Zusammenarbeit mit dieser Kampagne aufbauen und durch Kampagnen im öffentlichen Nahverkehr sowie im Wiesbadener Stadtbild auf Altagssexismus und Diskriminierung aufmerksam machen.

Ehrenamt muss inklusiver werden. Noch immer sind Frauen in der Stadtpolitik unterrepräsentiert – auch, weil Sitzungen oft abends stattfinden, wenn Familienarbeit anfällt. Ohne verlässliche Kinderbetreuung ist die Hürde für Mütter besonders hoch, sich zu engagieren. Wir setzen uns deswegen dafür ein, dass weiterhin Mittel für Kinderbetreuung zur Verfügung stehen und Sitzungen effizienter und kürzer werden. So machen wir die politische Teilhabe barrierefreier und gerechter – und schaffen echte Chancen, dass mehr Frauen ihre Perspektiven in die Stadtpolitik einbringen können.

rauen sind in Aufsichtsräten, Gesellschaftsvorständen und städtischen Leitungsebenen noch immer deutlich unterrepräsentiert – obwohl sie die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Fehlende Vielfalt führt dazu, dass Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen ungenutzt bleiben. Wir sorgen deshalb dafür, dass Parität konsequent umgesetzt wird. Der Beteiligungskodex macht dies möglich – gleiche Repräsentanz muss endlich Realität in Wiesbaden werden.

Mitglieder städtischer Gremien tragen Verantwortung für ein respektvolles Miteinander. Deshalb wollen wir verpflichtende Fortbildungen zu Sexismus und Diskriminierung einführen. Sie schaffen Bewusstsein für ungleiche Machtverhältnisse, sensibilisieren für respektvolle Sprache und stärken eine Kultur der Gleichberechtigung. So sorgen wir dafür, dass Wiesbadens Politik fair, inklusiv und zukunftsfähig gestaltet und die Gleichberechtigung in Wiesbadens Politik gestärkt wird.

Wir stärken die Teilhabe von Mädchen und Frauen in der digitalen Zukunft, indem wir uns für den Ausbau ihrer Förderung in den Bereichen Informationstechnologie und Künstliche Intelligenz gezielt einsetzen. Dazu unterstützen  wir Schulprojekte, Girls’Day-Angebote und Kooperationen mit Wiesbadener Hochschulen. Mentoring-Programme und lokale Netzwerke machen weibliche Vorbilder sichtbar und stärken Diversität in digitalen Berufen.

Wir setzen uns für regelmäßige Workshops zu Gleichstellung, Respekt und Prävention sexualisierter Gewalt an allen Wiesbadener Schulen ein. Dazu können auch externe Fachstellen beteiligt werden. So lernen Kinder und Jugendliche früh, Vielfalt wertzuschätzen und Diskriminierung entgegenzutreten.

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass Frauen in Wiesbaden schnell und unkompliziert Schutz finden. Dazu  wollen wir, dass die Stadt Frauenhausplätze und Beratungsangebote ausbaut, Träger vor Ort unterstützt und die personellen und finanziellen Ressourcen gesichert sind. Schutz darf nicht vom Geldbeutel abhängen: Wir sorgen dafür, dass schutzsuchende Frauen keine Eigenkosten tragen müssen.Gleichzeitig braucht es niedrigschwellige Angebote und Präventionsarbeit, damit Gewalt frühzeitig erkannt und verhindert wird. Mit diesem Engagement tragen wir aktiv zur Umsetzung der Istanbul-Konvention bei und stärken den Schutz und die Sicherheit von Frauen in unserer Stadt.

Wir setzen uns für die Weiterführung und den Ausbau des Angebots von kostenlosen Menstruationsprodukten und Verhütungsmitteln an Schulen sowie in öffentlichen Einrichtungen ein. So sichern wir Selbstbestimmung und Teilhabe unabhängig vom Einkommen und enttabuisieren wichtige Gesundheitsthemen.

Was wir bereits erreicht haben

Wir setzten uns für die vollumfängliche Umsetzung der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein und haben dafür gesorgt, dass sich Wiesbaden der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene angeschlossen hat. Dies verpflichtet die Stadt zu konkreten Maßnahmen und Zielen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in verschiedenen Bereichen der Stadtentwicklung und Verwaltung. Die Umsetzung wollen wir sowohl politisch wie öffentlichkeitswirksam und durch die Bereitstellung von finanziellen Ressourcen unterstützen.

Wir GRÜNE haben in unserer Regierungskooperation in den vergangenen Haushalten Mittel im sechsstelligen Bereich in den Haushalt hineinverhandeln können, über die die Kommunale Frauenbeauftragte, die eng mit unserer GRÜNEN Dezernentin für Gleichstellung zusammenarbeitet, frei verfügen kann. Damit werden Projekte, Initiativen und Beratungsangebote unterstützt, die die Gleichstellung der Geschlechter fördern, Frauen stärken und ihre Rechte sichern. Die Bereitstellung dieser Ressourcen zeigt unser kontinuierliches Engagement für eine inklusive, chancengerechte Stadt, in der Frauen in allen Lebensbereichen unterstützt werden – von Präventions- und Bildungsangeboten bis hin zu Projekten zur beruflichen und sozialen Stärkung.

Seit 2022 verwendet die Stadtverwaltung Wiesbaden eine wertschätzende und geschlechtergerechte Sprache. Mit der Einführung eines Leitfadens wird die Sichtbarkeit aller Geschlechter in der Verwaltungskommunikation gestärkt und Diskriminierung aktiv entgegengewirkt. Dieser Schritt macht die Stadtverwaltung moderner, inklusiver und zeigt, dass Wiesbaden Vielfalt ernst nimmt und respektvoller Umgang miteinander wichtig ist.

Wir haben aktiv begonnen, die Geschäftsführungspositionen städtischer Beteiligungen mit qualifizierten Frauen zu besetzen. Inzwischen sind WVV, SEG und ESWE Verkehr frauengeführt – ein klarer Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung in städtischen Unternehmen. Durch diese Besetzungen schaffen wir Vorbilder für junge Frauen, fördern Diversität in Entscheidungsprozessen und stärken die Chancengleichheit in Wiesbaden. Ziel ist es, systematisch Barrieren abzubauen, damit Frauen in allen Führungsebenen der Stadtverwaltung und städtischen Gesellschaften vertreten sind.

Seit 2022 haben wir die Kindertagesbetreuung in Wiesbaden deutlich ausgebaut: Im Kita-Jahr 2024/25 standen 10.308 Plätze zur Verfügung – 227 mehr als im Vorjahr und das bei sinkender Kinderzahl in Wiesbaden (2020/21 11.062, 2024/25 10.912). Im U3-Bereich haben wir das Platzangebot von 37,7% im Jahr 2020/21 auf 41,1% im Jahr 2024/25 und im Elementarbereich von 90% im Jahr 2020/21 auf 94,4%im Jahr 2024/2025 gesteigert. Mit der Eröffnung neuer Einrichtungen, wie der Kita in Wiesbaden-Biebrich mit 50 zusätzlichen Plätzen, haben wir die Betreuungskapazitäten erweitert. Dieser Ausbau fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere für Frauen, und stärkt ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit. Kinderbetreuung ermöglicht Berufstätigkeit für beide Elternteile, bzw. Berufstätigkeit für Alleinerziehende. Wir haben weitere Kitaplätze geschaffen, um das Versorgungsziel zu erfüllen. Wir wissen, dass die Versorgung in einigen Stadtteilen noch nicht ausreicht, und setzen uns gezielt für den weiteren Ausbau von Kita-Plätzen überall in Wiesbaden ein, damit Familien flächendeckend von verlässlicher Betreuung profitieren.

Wir haben in Wiesbaden ein Netzwerk zur Umsetzung der Istanbul-Konvention gegründet. Über 80 Akteur*innen aus Verwaltung, Politik und Hilfesystemen arbeiten gemeinsam daran, Gewalt gegen Frauen zuverhindern, zu erkennen und Betroffene effektiv zu unterstützen. Das Netzwerk stärkt den Austausch, fördert koordinierte Maßnahmen und setzt ein klares Zeichen: Wiesbaden nimmt den Schutz von Frauen ernst und sorgt dafür, dass internationale Standards der Istanbul-Konvention in der Stadt Realität werden.

Wir GRÜNE haben uns für die finanzielle Absicherung und Förderung von Frauen und Mädcheneinrichtungen sowie Beratungsstellen in Wiesbaden eingesetzt. Besonders im Fokus stehen dabei Frauen in gefährdeten Situationen, etwa in Prostitution oder Wohnungslosigkeit. Wir haben bereits Maßnahmen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit entwickelt und unterstützen die Schaffung passgenauer Schutzunterkünfte für Frauen. Zudem setzen wir uns für den Ausbau von Beratungsangeboten für Prostituierte ein.

In Wiesbaden die medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung ausgebaut. Betroffene können in ausgewählten Kliniken medizinische Hilfe erhalten und Spuren anonym sichern lassen – auch ohne sofortige Anzeige. Das Angebot ist vertraulich, kostenfrei und ermöglicht Betroffenen, selbst über den weiteren Weg zu entscheiden. Ergänzt wird dies durch das Netzwerk zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, das die Zusammenarbeit aller relevanten Akteur*innen stärkt, Gewalt gegen Frauen verhindert und Betroffene effektiv unterstützt.

Wir setzen uns dafür ein, dass Frauen in Wiesbaden beim Ausgehen sicher sind. Mit der Kampagne „Ist Luisa hier?“ können sich Frauen in teilnehmenden Bars, Clubs und öffentlichen Einrichtungen diskret Hilfe holen, wenn sie sich bedroht oder unwohl fühlen. Wir haben die Kampagne initiiert, für Sichtbarkeit gesorgt und das Projekt auf weitere öffentliche Einrichtungen ausgeweitet und hierzu auch für die Schulung des dortigen Personals gesorgt. So stärken wir den Schutz von Frauen, verhindern Gewalt und fördern ein sicheres, respektvolles Miteinander in der Stadt.

Zudem kooperiert die Stadt mit dem Heimwegtelefon e.V., einem deutschlandweiten Service, der Anrufende nachts telefonisch begleitet, wenn sie sich auf dem Heimweg unsicher fühlen. Dieses Angebot ist sonntags bis donnerstags von 21 bis 24 Uhr sowie freitags und samstags von 21 bis 3 Uhr unter der Nummer 030 12074182 erreichbar. Wir setzen uns dafür ein, solche Schutzkonzepte weiter zu etablieren und für alle zugänglich zu machen.

Wir haben dafür gesorgt, dass Menstruationsprodukte in Wiesbadener Schulen, Ämtern und öffentlichen Einrichtungen kostenlos zur Verfügung stehen. So wird niemand aus finanziellen Gründen benachteiligt, und insbesondere Mädchen und junge Frauen erhalten verlässlichen Zugang zu Hygieneartikeln. Das stärkt Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Gesundheit, entlastet Familien und setzt ein klares Zeichen gegen die Tabuisierung von Menstruation – für eine inklusive, moderne Stadtverwaltung, in der alle Menschen chancengleich behandelt werden.

Wir haben uns dafür eingesetzt, dass Themen wie Gewalt gegen Frauen, Gleichberechtigung und Frauenrechte sichtbar werden – im öffentlichen Raum, in Bildung und Kultur. Gemeinsam mit dem Zonta Club Wiesbaden haben wir die „Orangenen Bänke“ aufgestellt, die auf Schutzräume und das Thema Gewalt aufmerksam machen. Mit der Hochschule RheinMain initiierten wir eine Ringvorlesung zu Pornografie und Rollenbildern, und durch Ausstellungen wie „Gesichtslos“ wurden Missstände thematisiert und der Diskurs in der Stadtgesellschaft gefördert.