Inklusion und Barrierefreiheit

Menschen mit Behinderungen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft. Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht und Voraussetzung für echte Teilhabe. In Wiesbaden wollen wir physische und mentale Barrieren abbauen – im öffentlichen Raum und in den Köpfen. Nur wenn alle Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, entsteht eine solidarische Stadtgesellschaft. Inklusion bedeutet für uns nicht Integration in bestehende Strukturen, sondern deren Umgestaltung für alle. Denn Barrierefreiheit nützt nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern macht das Leben für alle einfacher und komfortabler.

Was Inklusion und Barrierefreiheit für uns bedeutet

Politische Teilhabe

Nichts über uns ohne uns – Menschen mit Behinderungen müssen als Expert*innen ihrer Lebenswelt alle Entscheidungen mitgestalten.

Barrierefreier Stadtraum

Öffentliche Räume, Gebäude und Verkehrswege müssen für alle Menschen uneingeschränkt nutzbar und zugänglich sein.

Digitale Inklusion

Moderne Technologien sollen Barrieren abbauen, nicht neue schaffen – von Apps bis zur Stadtverwaltung.

Arbeitsmarkt-Inklusion

Jeder Mensch hat das Recht auf faire Beschäftigung – Behinderungen sollen keine Ausschlusskriterien darstellen.

Inklusive Bildung

Alle Kinder lernen gemeinsam – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen und Unterstützungsbedarfen.

Was wir konkret in diesem Bereich tun wollen

Wir erstellen einen systematischen Aktionsplan Inklusion für Wiesbaden, der alle Lebensbereiche umfasst und messbare Ziele definiert. Partizipation von Menschen mit Behinderungen ist dabei zentral.

Über den Arbeitskreis der Wiesbadener Behindertenorganisationen und Interessengemeinschaft Behinderter binden wir Menschen mit Behinderungen frühzeitig in Sozialraumplanung und städtische Bauprojekte ein, um ihre Expertise direkt nutzbar zu machen.

Digitale Angebote und Veröffentlichungen müssen für alle Menschen zugänglich sein – unabhängig von Alter, Sprache oder Einschränkungen. Bürger*innennahe Sprache, klare Strukturen und der Verzicht auf Abkürzungen sorgen für Transparenz, Verständlichkeit und echte Teilhabe.

Barrierefreie Haltestellen, Fahrzeuge und Tarife ermöglichen allen Menschen uneingeschränkte Mobilität nach den Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes im Nahverkehrsplan.

Wir wollen neue Wege gehen, um den Anforderungen des Bundesteilhabegesetzes auch in Zeiten des Fachkräftemangels und begrenzter finanzieller Ressourcen nachzukommen. Bei der Teilhabeassistenz in Schulen wollen wir Pool-Lösungen prüfen lassen. Dadurch können aufwendige Antragstellungen und Diagnoseverfahren für jedes einzelne Kind entfallen, zugleich profitieren auch solche Kinder, die Förderbedarf ohne Anspruch auf Teilhabeassistenz haben.

Spielgeräte auf öffentlichen Spielplätzen wollen wir so gestalten, dass Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam spielen können.

Die Stadtverwaltung wird Vorbild bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen, durch die entsprechende Arbeitsplatzgestaltung und Unterstützungsstrukturen.

Was wir bereits erreicht haben

Die Stadt Wiesbaden hat ihre Website modernisiert, um den Zugang zu Informationen und Dienstleistungen zu erleichtern. Die Seite ist barrierefrei gestaltet und bietet Inhalte in 12 Sprachen an. Darüber hinaus werden Inhalte in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache angeboten, um die Zugänglichkeit weiter zu erhöhen.

Seit 2025 wurde in allen 42 städtischen Kitas die App „Kids Fox“ eingeführt. Diese unterstützt Eltern und Kita-Mitarbeitende bei der Kommunikation und Organisation. Die Anwendung bietet eine automatische Übersetzungsfunktion in 27 Sprachen an. So ist auch Kommunikation für gehörlose Personen auch ohne eine dolmetschende Person leichter möglich.

In enger Zusammenarbeit mit dem Citymanagement, der kommunalen Inklusionsbeauftragten und dem Arbeitskreis Inklusion und Barrierefreiheit haben wir einen neuen Innenstadtplan für Wiesbaden entwickelt. Dieser Plan bietet detaillierte Informationen zu barrierefreien Wegen, Bushaltestellen, Behindertenparkplätzen, rollstuhlgerechten WC-Anlagen, barrierefreier Gastronomie, Hotels mit barrierefreien Zimmern und öffentlich zugänglichen, barrierefreien WCs. Zudem sind Sehenswürdigkeiten, kulturelle Einrichtungen und touristische Ziele klar gekennzeichnet. Der barrierefreie Innenstadtplan ist auch online zugänglich und bietet eine wertvolle Orientierungshilfe für alle, die auf barrierefreie Infrastruktur angewiesen sind.

Für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit wurden taktile Stadtmodelle installiert. Diese Modelle, die von der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg gefertigt wurden, befinden sich am Marktplatz und im Hauptbahnhof. Sie ermöglichen eine haptische Orientierung und erleichtern die selbstständige Fortbewegung in der Innenstadt.



Seit 2022 wurden in Wiesbaden zahlreiche Bushaltestellen barrierefrei umgebaut – darunter Waldstraße, Dyckerhoffstraße, Flachstraße, Kahle Mühle P+R und der Bussteig D am Hauptbahnhof. Erhöhte Bordsteine, verbreiterte Haltestellenbereiche und taktile Leitelemente erleichtern den Ein- und Ausstieg für Menschen mit Behinderung, Senior*innen und Familien mit Kinderwagen. Durch die Kombination von Landes- und städtischen Mitteln wird der Nahverkehr in Wiesbaden Schritt für Schritt inklusiver, zugänglicher und komfortabler für alle. Zusätzlich sind bereits zahlreiche Ampeln mit akustischen Signalen ausgestattet, sodass auch Menschen mit Sehbehinderung sicher über Straßen und Kreuzungen gelangen können.

Am Kransand in Mainz-Kastel wurde ein Aufzug installiert, der eine barrierefreie Verbindung zwischen Rheinufer und Brückenkopf ermöglicht. Mit einem Höhenunterschied von 6,5 Metern können so auch mobilitätseingeschränkte Menschen das Freizeitgelände am Rhein problemlos erreichen. Darüber hinaus ist das Gelände selbst mit barrierefreien Elementen ausgestattet, darunter Skaterpark, Trimm Dich-Geräte und Ausschankbereich. Damit wird für alle ein gleichberechtigter Zugang zu Freizeit und Erholung am Rheinufer ermöglicht.

Seit Juli 2025 bietet Wiesbaden jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr in über 20 Geschäften der Innenstadt eine „Stille Stunde“ an. In dieser Zeit werden grelles Licht, laute Musik und Durchsagen reduziert, um ein reizarmes Einkaufserlebnis zu schaffen. Ziel ist es, Menschen mit sensorischen oder psychischen Einschränkungen wie Autismus, ADHS oder Long-Covid den Zugang zum öffentlichen Leben zu erleichtern. Wiesbaden ist damit die erste Stadt in Deutschland, die dieses Konzept flächendeckend umsetzt und ein starkes Signal für gelebte Inklusion setzt.

Für das Jahr 2025 ist im Fortbildungsprogramm für städtische Kindertagesstätten ein Schwerpunkt auf das Thema „Inklusion in all seinen Facetten“ vorgesehen. Ziel ist es, allen Kindern gute Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und Antworten auf die Herausforderungen der inklusiven Bildung zu finden.

Die Stadt Wiesbaden hat einen „Wiesbadener Teilhabestandard für Stadtteile mit hohen sozialen Bedarfslagen“ entwickelt. Dieser Standard beschreibt Maßnahmen, die die soziale Infrastruktur in benachteiligten Stadtteilen verbessern sollen. Dabei wird besonderer Wert auf Inklusion gelegt, indem beispielsweise Angebote für Menschen mit Behinderungen in die Planung einbezogen werden.

Im Mai 2025 fand in Wiesbaden erstmals der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen statt. Gemeinsam mit Interessensvertretungen, Vereinen und der Verwaltung setzte die Stadt sichtbare Zeichen für Inklusion und Barrierefreiheit – im und vor dem Rathaus. Dieses kooperative Projekt zeigt, wie Stadt, Politik und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenarbeiten, um Inklusion zu stärken, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu fördern und Inklusion sichtbar zu machen.