26.08.2019

Umbenennung der Pfitzner Str. durch GRÜNE Ortsbeirats-Fraktion endlich auf den Weg gebracht

Bürger*innen Aktivität und Einsatz lohnen sich.
Dies konnten Nira Scherer und Renate Grigoleit von der BI „Umbenennung Pfitzner Str.“ gestern feststellen: „Es ist ermutigend, dass in nur drei Wochen schon über 450 Menschen sich unserem Vorhaben mit Ihrer Unterschrift angeschlossen haben“, so die beiden unisono.
Dazu die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Ortsbeirat Nordost, Gabriela Schuchalter-Eicke: „Mit unserem erneuten Antrag zur Umbenennung haben wir gerne das Anliegen der BI aufgegriffen und uns sehr über die breite Unterstützung aus der Bevölkerung gefreut. In einer zunächst kontroversen, aber engagierten und zielführenden Diskussion in der gestrigen Sitzung, am 21.08.2019, ist die Umbenennung auf den Weg gebracht worden.“

Hilfreich dafür war ohne Frage die breite Unterstützung der BI durch viele einflussreiche Organisationen und Persönlichkeiten in Wiesbaden und auch außerhalb. Insbesondere ist hervorzuheben, dass EVIM als Anlieger und Betreiber von drei Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe und somit Vertreter der größten Anwohner*innen-Gruppe in der Pfitzner Str. die BI vorbehaltlos unterstützt.
Herr Loyal, Vorstandsvorsitzender von EVIM, schrieb in seinem Brief an den OBR: „Seitens EVIM möchten wir diese Initiative unterstützen und Sie bitten, ebenfalls dafür zu votieren, damit ein entsprechendes Verfahren zur Umbenennung eingeleitet werden kann.“

Der OBR hat sich in seiner gestrigen Sitzung dieser Meinung angeschlossen und ist dem Antrag von B90/DIE GRÜNEN in allen Punkten gefolgt. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass die Fraktionen bis zur nächsten Sitzung im Oktober mögliche Namensvorschläge einbringen sollen. Auch sollen die Bürger*innen umfassend informiert und bei der organisatorischen Abwicklung mitgenommen und durch die Stadt unterstützt werden. Insbesondere wird geprüft, wie für die Anwohner*innen eine kostenneutrale Umbenennung möglich sein könnte.

„Die Kernfrage lautet: Wollen wir einen Mann wie Pfitzner weiterhin mit einer Straßenbenennung ehren?“, fragte gestern Schuchalter-Eicke.
Hans Pfitzner signalisierte dem NS-Regime mehrfach seine Sympathie. Er unterschrieb 1933 einen Protest gegen die Wagner-Rede von Thomas Mann. Er lud Hitler, „den hochverehrten Herrn Reichskanzler“ zu seinen Aufführungen ein. Als Stütze der nationalsozialistischen Kulturpolitik erhielt er eine Ehrengabe des Reichspropagandamini- steriums1944 in Höhe von 50.000, -- Reichsmark. Hans Frank, der „Schlächter von Krakau“, lud ihn nach Polen zum Dirigieren ein und Hans Pfitzner schrieb 1946 - also nach Kriegsende - ihm, dem inzwischen zum Tode Verurteilten, noch mitfühlende Zeilen ins Gefängnis.
Wie wenig er Abstand von der nationalsozialistischen Ideologie nahm, zeigt folgender Auszug aus einem Dokument: Pfitzner hielt fest „…an einen guten Glauben Hitlers. Hitler hat richtig gehandelt, Europa von den Juden befreien zu wollen, denn das Weltjudentum ist ein Problem.“ Lediglich „die stümperhafte Durchführung“ seiner Ideen könne man Hitler vorwerfen.

G. Schuchalter-Eicke, Käthe Springer, Thomas Weigel

Kategorien:Aktuelles
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