Nachhaltige Infrastruktur und Wärmewende

Klimaschutz beginnt vor Ort. Es sind die Kommunen, die die Wärmewende, Verkehrswende und Klimaanpassung konkret gestalten müssen – mit belastbaren Projekten, klaren Entscheidungen und einer verlässlichen Strategie für die kommenden Jahrzehnte.

Zugleich zeigen Rohrbrüche und Kanalschäden, dass die Infrastruktur-Dividende aus Gründerzeit und Nachkriegsjahren aufgebraucht ist. Der Sanierungsstau lässt keinen weiteren Aufschub zu. Der Grund, warum wir heute so viele Baustellen haben, ist also der, dass wir früher zu wenige hatten.

Es ist die große Aufgabe unserer Generation, Wiesbadens Kanäle, Rohre, Leitungen und Straßen fit für die veränderten Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu machen.

Wir haben damit begonnen: mit dem KLIMA_PLAN, dem kommunalen Wärmeplan und einer strategischen Infrastrukturplanung. Diesen Weg wollen wir entschlossen weiter gehen – für eine Stadt, die auch morgen noch funktioniert.

Was nachhaltige Infrastruktur und Wärmewende für uns bedeutet

Wiesbaden zukunftsfit machen

Wir bringen Wiesbadens Infrastruktur ins 21. Jahrhundert – mit Fokus auf Klimaschutz, digitale Vernetzung, erneuerbare Energien, die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme, Klimaschutz und Klimaanpassung.

Energie und Wärmewende vorantreiben

Kommunaler Klimaschutz bedeutet insbesondere, alle Gebäude unserer Stadt mit Energie und Wärme aus erneuerbaren Quellen zu versorgen. Die dafür notwendige Erneuerung und Erweiterung der Netz-Infrastruktur werden wir konsequent vorantreiben.

Stadt am Laufen halten

Baumaßnahmen in einer Großstadt sind auch deshalb so anspruchsvoll und langwierig, weil die Stadt nicht einfach bis zur Fertigstellung lahmgelegt werden kann. Die Erreichbarkeit von Wohnungen, das Beliefern von Geschäften und natürlich die Wasser- und Energieversorgung sowie die Abwasserentsorgung müssen dauerhaft sichergestellt werden.

Synergien nutzen

Um die Fülle der Aufgaben bewältigen und finanzieren zu können, wollen wir sie so gut wie nötig miteinander verzahnen. Wenn die Straße einmal aufgerissen ist, sollte die komplette darunter befindliche Infrastruktur saniert und der Straßenraum an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden.

Maßnahmen transparent machen

Klare Informationen zu Sinn, Ziel und Ablauf von Baumaßnahmen reduzieren Ärger. Mehr Transparenz stärkt Akzeptanz und Verständnis bei Bürger*innen. Hier wollen wir, dass die Stadt Wiesbaden noch deutlich aktiver kommuniziert.

Verkehrssystem resilienter machen

Störungen wirken umso stärker, je dichter der Kfz-Verkehr ist. Zu Fuß oder mit dem Rad kommt man gerade bei vielen Baustellen meist besser durch. Wir treiben die Verkehrswende voran, setzen uns für sichere Baustellenführungen von Fuß- und Radverkehr ein und machen so das System robuster und widerstandsfähiger.

Was wir konkret in diesem Bereich tun wollen

Spätestens die Verabschiedung des Kommunalen Wärmeplans im Jahr 2026 ist der Startschuss für einen umfassenden Umbau der Wärmeversorgung in unserer Stadt. Wir wollen diese riesige Aufgabe konsequent angehen und Bürger*innen, Unternehmen sowie Versorger dabei unterstützen, die Transformation effizient und zielgerichtet voranzutreiben.

Dazu setzen wir uns für die Einrichtung einer gemeinsamen Beratungsstelle von Stadt und Netzbetreibern ein, die niedrigschwellig und praxisnah informiert – etwa dazu, wie sich Gebäude zukunftsfähig und klimafreundlich heizen lassen. Gleichzeitig treiben wir die Wärmewende in städtischen Liegenschaften voran: Schulen, Kitas und Behörden sollen möglichst bald klimaneutral versorgt werden.

So wird der Infrastrukturumbau nicht nur technisch, sondern auch kommunikativ begleitet – als Grundlage für eine verlässliche, sozial gerechte und klimafreundliche Wärmeversorgung in Wiesbaden.

Neben der Sanierung der Bestandsinfrastruktur ist der Umbau der Netze im Zuge der Wärmewende die große Aufgabe des nächsten Jahrzehnts. Gerade im historischen Stadtkern wird dabei die Fernwärme-Erschließung ganzer Viertel erhebliche Baumaßnahmen nach sich ziehen. Wir halten es daher für sinnvoll, diese Baumaßnahmen als Taktgeber für die übrige Modernisierung zu nutzen — unter (Kanäle, Rohre, Leitungen), auf (Fahrbahn und Gehwege) und über (Bepflanzung, Bäume, Ladeinfrastruktur) der Straße.

Der Ausbau unserer Stromnetze ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Sowohl für die Antriebswende im Verkehrsbereich als auch für die Wärmewende in den Wohnungen und für die Ausfallsicherheit der Versorgung sind neue Leitungen und Stromtrassen zwingend erforderlich. Wir wollen, dass die Stadt diese im größtmöglichen Einklang mit der Natur realisiert. Die Entscheidung, wo und wie (Freileitung oder Erdverkabelung) diese Trassen errichtet werden, sollte insbesondere nach ökologischen Kriterien getroffen werden. Vorrangig sollten bestehende Trassenkorridore genutzt und optimiert und durch intelligente Trassenführung Eingriffe in sensible Ökosysteme vermieden werden. Die dafür notwendigen Flächen (wie neue Umspannwerke) sollen als bunte, artenreiche Blühwiesen einen dauerhaften Zweitnutzen erfüllen. Wir wollen transparente Verfahren mit frühzeitiger Einbindung aller Betroffenen.

Die mit der Infrastruktur-Modernisierung verbundenen Baustellen sind leider mit erheblichen verkehrlichen Beeinträchtigungen verbunden, die umso drastischer ausfallen, je mehr Autoverkehr in der Stadt unterwegs ist. Da der Verkehr also umso besser läuft, je mehr Menschen ihre Wege ohne Pkw bewältigen, ist es essentiell, den Fluss, die Sicherheit und die Zuverlässigkeit des Bus-, Rad- und Fußverkehrs auch bei Baumaßnahmen sicherzustellen.

Der oft mit Baustellen einhergehende Ärger ist auch auf fehlende Informationen über Sinn, Zweck und Dauer der Baumaßnahmen zurückzuführen. Wir werden dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit bei allen größeren Baustellen vor Ort darüber informiert wird, wer dort warum und bis wann arbeitet. Hierfür soll es standardisierte Schilder mit den wichtigsten Informationen geben.

Die Online-Baustellenkarte soll in den Digitalen Zwilling integriert werden und einen möglichst aktuellen Stand der aktuellen Baustellen sowie eine Vorschau auf die bald anstehenden Maßnahmen ermöglichen.

Baustellen sind lästig. Um Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, ist eine sorgfältige Abstimmung aller Baumaßnahmen erforderlich. Sie sollen so koordiniert und geplant werden, dass Verkehrsflüsse erhalten bleiben und Kosten reduziert werden. Durch intelligente Planung verringern wir Belastungen für Anwohnende, Umwelt und Wirtschaft sowie die Beeinträchtigung der Lebensqualität in unserer Stadt und gewährleisten trotzdem einen zügigen und effektiven Fortschritt der Maßnahmen.

Wiesbaden hat 2025 den digitalen Zwilling eingeführt – ein zentrales Instrument, um Infrastrukturplanung und Stadtentwicklung effizienter, transparenter und nachhaltiger zu gestalten. Durch die Verknüpfung von aktuellen Daten zu Verkehr, Energie, Wasser, Klima und Bauprojekten lassen sich z.B. die Auswirkungen von Starkregenereignissen, Hitzeinseln und Hochwasserrisiken frühzeitig erkennen. So können unter anderem Maßnahmen der Klimaanpassung, des Hochwasserschutzes oder der Stadtlogistik gezielt geplant und umgesetzt werden.

Wir GRÜNE wollen den digitalen Zwilling konsequent weiter ausbauen, um Wiesbaden zur Vorreiterstadt für vernetzte, klimaresiliente und zukunftsfähige Infrastruktur zu machen.

Was wir bereits erreicht haben

Wiesbaden startete frühzeitig mit der Wärmeplanung, um zu ermitteln, wie künftig alle Gebäude nachhaltig und klimafreundlich mit Wärme versorgt werden können. In Kooperation von Umweltamt und ESWE wurden der Wärmebedarf häuserscharf analysiert, potenzielle Wärmequellen identifiziert und erste Vorschläge für Versorgungsgebiete erarbeitet. Die Ergebnisse sind für alle im Digitalen Zwilling einsehbar.

Wenn im Jahr 2026 die Versorgungsgebiete definiert und der Wärmeplan beschlossen ist, gibt es Planungssicherheit für die Netzbetreiber und alle Immobilienbesitzer*innen. Dafür setzen wir uns ein. So stellen wir mit einem transparenten und vorausschauenden Prozess die Weichen für den Umbau unserer Versorgungsinfrastruktur in den kommenden zwei Jahrzehnten.

Wir haben die Chance ergriffen und verknüpfen den laufenden Fernwärmeausbau und die Sanierung der unterirdischen Netze mit einer grundlegenden Neugestaltung der Schwalbacher Straße.

Die breite autobahnartige Verkehrsachse, die Westend und Innenstadt trennt, wird endlich durchlässig und lebendig. Der öffentliche Raum wird neu verteilt, Querungen für Fußgänger*innen werden verbessert, Gehwege verbreitert, Bäume gepflanzt, Grünflächen hergestellt, Sitzgelegenheiten eingerichtet und Möglichkeiten für Außengastronomie geschaffen. Was seit dem Abriss der Hochbrücke gefordert wurde, setzen wir nun um: Aus einer Asphaltwüste wird ein nachhaltiger Stadtraum, ein attraktiver Boulevard, der verbindet statt trennt.

Am Elsässer Platz entstand eine voll elektrifizierte Quartiersgarage für das Westend – mit 429 Stellplätzen mit eigener Elektroladestation, darunter acht Schnellladestationen. Sie schafft öffentliche Ladeinfrastruktur, wo private Wallboxen kaum zu installieren sind. Damit wird Elektromobilität auch für Mieter*innen und Bewohner*innen des anliegenden Wohngebiets ohne eigenen Stellplatz zugänglich. Radabstellplätze, Busanschluss und gute Fußwegerschließung erleichtern die Wege. Ein smartes Belegungsmanagement mit Kennzeichenerkennung sorgt für effiziente Nutzung. Das Projekt stärkt die Antriebswende im am dichtesten besiedelten Stadtteil Deutschlands und zeigt, wie man moderne Infrastruktur und klimafreundliche Mobilität verbindet.