Gesundheit ist ein Menschenrecht. Gesundheitsversorgung darf daher nicht der Gewinnmaximierung dienen, sondern muss allen Menschen zugänglich sein, unabhängig von Herkunft, Einkommen und Versicherungsstatus. Eine effektive und gerechte kommunale Gesundheitsversorgung mit wohnortnahen Praxen, ganzheitlicher Gesundheitsförderung sowie klimaresilienten Strukturen sichert Lebensqualität für alle Wiesbadener*innen. Besonders in Zeiten des demografischen Wandels und der Klimakrise brauchen wir eine vorausschauende Gesundheitspolitik, die niemanden zurücklässt und auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet ist. Dazu zählen insbesondere auch die Maßnahmen der Klimaanpassung und des Klimaschutzes, denn Klimaschutz ist Gesundheitsschutz. Ziel ist ein gesundes Stadtklima für alle Bewohner*innen.
Gesundheit und Pflege
Was Gesundheit und Pflege für uns bedeutet
Was wir konkret in diesem Bereich tun wollen
Eine gesunde Ernährung ist eine wesentliche Voraussetzung für ein gesundes Leben.
Wir wollen Bildungs- und Informationsangebote zur gesunden Ernährung in Kitas, Schulen und KinderElternZentren (KiEZe) stärken. Die KiEZe bieten in Wiesbaden niedrigschwellige Beratung, Informationsangebote und Begegnung und können auch zu Fragen im Bereich Ernährung und Bewegung eine wichtige Anlaufstelle sein.
Kitas und Schulen mit eigener Küche sollen frische, regionale und ausgewogene Mahlzeiten nach DGE-Standards anbieten können. Dafür wollen wir die nötige Infrastruktur schaffen. Auch Bewegung gehört zur Gesundheit: Wir setzen uns ein für sichere Rad- und Schulwege, mehr kostenfreie Spiel- und Sportorte sowie den weiterhin kostenlosen Schwimmbadeintritt für Kinder und Jugendliche in den Ferien.
Es gibt eine Tendenz zur Konzentration von hausärztlichen Praxen in der Innenstadt, daher setzen wir uns für Hausarzt*innen möglichst in allen Stadtteilen ein. Gute Erreichbarkeit und kurze Wege sind wichtig, insbesondere für chronisch Kranke und ältere Menschen.
Wir setzen uns ein für eine wohnortnahe, erreichbare und bedarfsgerechte Versorgung von Kindern und Jugendlichen – sowohl ambulant als auch stationär. Die Kinderklinik der HSK muss eine verlässliche Versorgung sicherstellen. Wir wollen, dass der „Runde Tisch“ zur HSK-Kinderklinik wieder aufgenommen und fortgeführt wird.
Aktuell besteht bei hohem Bedarf ein Mangel an Therapie-Plätzen und es resultieren lange Wartezeiten. Wir setzen uns für eine bedarfsgerechte Versorgung für alle Altersgruppen, insbesondere für Kinder und Jugendliche ein. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen wollen wir, dass Unterstützungsangebote ausgebaut werden, die Krisenhilfe verbessert und die Teilhabe gestärkt wird. Durch Aufklärung und Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen sollen psychische Erkrankungen entstigmatisiert werden.
Wir wollen das Angebot an stationärer Pflege in Wiesbaden sicherstellen und ausbauen. Durch ein gutes Netz ambulanter Angebote wollen wir die selbstbestimmte und wohnortnahe Pflege in den Quartieren stärken, zum Beispiel durch Pflegegruppen und Wohngemeinschaften. Wir unterstützen eine kultursensible Pflege und wollen spezifische Angebote für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ausbauen.
Wir wollen die kommunale Altenhilfeplanung fortführen und Konzepte für verschiedene Pflegeformen entwickeln. Wir wollen die Möglichkeiten der häuslichen Pflege ausbauen und pflegende Angehörige entlasten, zum Beispiel durch zusätzliche Tagesbetreuungsplätze.
Im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten setzen wir uns für ein ausreichendes Angebot an Pflegeschulen und Ausbildungsplätzen in Wiesbaden ein. Wir wollen die Attraktivität der Pflegeberufe erhöhen – etwa durch Jobtickets, verbesserte Unterkunftsmöglichkeiten wie gefördertes Azubi-Wohnen und flexible Kinderbetreuungsangebote.
Der kommunale Hitzeaktionsplan muss konsequent weiterentwickelt und umgesetzt werden. Wir wollen ausreichend Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Raum durch die Stadt bereitstellen lassen und die „Karte der kühlen Orte“ erweitern, indem noch mehr öffentliche und kirchliche Gebäude zugänglich gemacht werden. Bei Baumaßnahmen im öffentlichen Raum sollen die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze berücksichtigt werden. Aufklärung und verständliche Informationen sollen insbesondere für benachteiligte und besonders gefährdete Gruppen bereitgestellt werden.
Wir wollen den Fluglärm reduzieren: Für die AKK-Vororte braucht es eine aktive Abstimmung mit dem Land, um die Flugroutenpläne des Flughafen Frankfurt zu verbessern. Außerdem wollen wir ein Konzept zur Reduktion der Lichtverschmutzung entwickeln und die Luftqualität in Wiesbaden kontinuierlich verbessern.
Die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke, die schwere Krankheiten übertragen kann, muss in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt weiterhin entschlossen bekämpft werden.
Um Versorgungslücken zu schließen und eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten, setzen wir auf Netzwerke und Koordinierungsstellen im Quartier. Wir wollen die Vernetzung der Gesundheitsakteure vor Ort aktiv unterstützen.
Deswegen setzen wir uns für bessere Rahmenbedingungen für „Leuchtturm-Projekte“ ein, wie curandum e.V., kommunale Gesundheitsstützpunkte wie Gesundheits-Kioske oder Gemeindepflegekräfte (vom Land gefördert). Ein Gesundheits-Kiosk wird im Westcenter ab Anfang 2026 seine Arbeit aufnehmen und niedrigschwellige Anlaufstelle für gesundheitliche Beratung bieten. Sollte der erste Gesundheitskiosk gut angenommen werden und den erhofften Mehrwert bringen, darunter auch eine Entlastung der niedergelassenen Ärzte im Stadtteil, werden wir uns für weitere Gesundheitskioske in anderen Stadtteilen mit unzureichender medizinischer Versorgung einsetzen.
Das Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen: Demographischer Wandel und Fachkräftemangel erfordern eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten in Gesundheits- und Pflegeberufen über Disziplinen und Sektoren hinweg. Die EGW – Gesellschaft für ein gesundes Wiesbaden mbH – soll hier als zentrale Koordinierungsstelle fungieren, in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.
Wir wollen die seit 2025 eingerichtete und neu besetzte Stelle Gesundheitskoordination dauerhaft sichern, gefördert durch Landesmittel im Rahmen der „Kommunalen Gesundheitsstrategie“.
Den Gesundheitskompass wollen wir weiterentwickeln – als digitale Plattform mit Gesundheitsinformationen, Veranstaltungen, Arztsuche und verständlichem Gesundheitswissen für alle Menschen in Wiesbaden.
Als Mitglied im Gesunde Städte-Netzwerk wollen wir, dass die Stadt die Umsetzung des 9-Punkte- Programms und die Entwicklung eines gesundheitspolitischen Leitbildes für Wiesbaden vorantreibt.
Ein zukunftsfester öffentlicher Gesundheitsdienst ist Voraussetzung für kommunale Daseinsvorsorge, daher wollen wir auch nach Auslaufen des „Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)/2020“ die personelle Ausstattung sicherstellen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass frühe Hilfen für Familien gestärkt und das Projekt FrAnKHA (Frühe Anleitung durch Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Ärztinnen) fortgeführt und ausgebaut wird. Rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett leisten Hebammen eine unverzichtbare und verantwortungsvolle Arbeit. Wir wollen die Tätigkeit und Vernetzung von Hebammen in Wiesbaden stärken, die Möglichkeit zur Entbindung in hebammengeleiteten Kreißsälen aufwerten und Initiativen zur Gründung eines Geburtshauses in Wiesbaden unterstützen.
Wir wollen dafür sorgen, dass an jeder Schule eine Schulgesundheitsfachkraft eingesetzt ist, die sich um die gesundheitliche Versorgung der Schüler*innen und um Gesundheitsförderung und Prävention kümmert. Wir unterstützen den Erhalt und den Ausbau der Selbsthilfekontaktstelle und des „Suchthilfewegweisers“. Wir setzen uns für die Einrichtung eines „Verhütungsmittelfonds“ für Menschen mit niedrigem Einkommen ein.
Die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) ist als Krankenhaus der Maximalversorgung von zentraler Bedeutung für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung in Wiesbaden und der Region. Wir wollen,dass die Stadt ihre Verantwortung und Einflussmöglichkeiten gegenüber der HSK verstärkt wahrnimmt.
Wir setzen uns für gute Arbeitsbedingungen in der HSK ein, damit die HSK als bedeutender Arbeitgeber der Stadt attraktiver wird, zum Beispiel durch das Angebot von Beschäftigtenwohnungen für alle Berufsgruppen im Gesundheitssektor. Wir dulden keine Verschiebung pflegefremder Tätigkeiten in die Krankenpflege.
Wir lehnen den Verkauf städtischer Anteile der HSK ab und wollen auch die Privatisierung von Spezialkliniken innerhalb der HSK verhindern.
Wir wollen die Versorgung von Post-COVID-Betroffenen ausbauen – durch professionelle Diagnostik sowie Beratungs- und Behandlungsangebote in einer spezialisierten Post-COVID-Ambulanz. Solche Angebote können nur in spezialisierten Zentren oder Praxen bereitgestellt werden. Derzeit gibt es in Wiesbaden kein ausreichendes Angebot, wodurch es zu langen Wartezeiten kommt.
Wir wollen niedrigschwellige humanitäre und medizinische Hilfe für suchtkranke Menschen stärken und Selbsthilfestrukturen fördern. Dazu gehört der Aufbau von Drogenkonsumräumen mit integrierter psychosozialer Beratung, der Ausbau von Schlafmöglichkeiten und tagesstrukturierenden Angeboten sowie der Mobile Medizinische Dienst.
Wir wollen das fortlaufende Projekt Drug-Checking evaluieren und ausbauen, damit Drogen kostenlos und straffrei analysiert werden können. So lassen sich gesundheitsschädliche Stoffe erkennen und der Wirkstoffgehalt bestimmen, was drogenbedingte Todesfälle verhindern kann – insbesondere bei der Einnahme hochdosierter synthetischer Opioide wie Fentanyl. Auch bemühen wir uns, dass die laufende Bewerbung von Wiesbaden als Teil der „Cannabis Modellregion“ weiterverfolgt wird.
Außerdem stärken wir die Tabak- und Nikotinprävention, indem Zigarettenautomaten auf Grundstücken in städtischer Hand oder von Beteiligungen abgebaut werden.
Wir wollen die ambulante sowie stationäre Palliativversorgung stärken: Wir unterstützen die Arbeit der Palliativ- und Hospizdienste und wollen, dass diese weiter ausgebaut werden. Die Stadt Wiesbaden als Zeichnerin der „Charta zur Betreuung Schwerstkranker und Sterbender Menschen“ soll an diesen Zielen festhalten und sie umsetzen.
Was wir bereits erreicht haben
Die Stadtverordnetenversammlung hat auf Antrag von uns GRÜNEN und unserer Kooperationspartner 2023 die Errichtung von bis zu drei Gesundheitskiosken beschlossen. Sie sollen eine niedrigschwellige Anlaufstelle für gesundheitliche Beratung bieten. Nach Wegfall der Bundesmittel ist das dafür vorgesehene städtische Budget für die Errichtung eines Gesundheitskiosks im Westcenter verwendet worden. Gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nahe von Wohnquartieren in Dotzheim/Kohlheck und Klarenthal mit einer unzureichenden medizinischen Versorgung wird der Gesundheitskiosk im Westcenter ab Anfang 2026 seine Arbeit aufnehmen. Dort beraten Fachkräfte zu gesundheitlichen Themen kostenlos, vermitteln schnelle Hilfe und lotsen durch das Gesundheitssystem. Zusätzlich gibt es Präventionsangebote, Informationsveranstaltungen und Räume für Selbsthilfegruppen.
Der Masterplan Gesundheitswirtschaft hebt die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für den Standort Wiesbaden hervor: in Wiesbaden – mit einer langen Tradition als Kurstadt – sind ca 38.000 Menschen in der Gesundheitsbranche beschäftigt. Der Masterplan sorgt zum einen dafür, dass die Gesundheitswirtschaft in Wiesbaden zukunftsfähig aufgestellt wird. Zum anderen ermöglicht er, dass eine gute medizinische und pflegerische Versorgung langfristig gesichert bleibt. Der Plan bündelt alle Kräfte der Stadt, Gesundheitsversorger, Forschung und Wirtschaft, um Gesundheitsstandorte zu vernetzen, neue Einrichtungen zu fördern und die Versorgung in allen Stadtteilen zu stärken. So wird gewährleistet, dass Wiesbaden eine Stadt bleibt, in der alle Menschen – jung oder alt, mit oder ohne Vorerkrankungen – schnell und unkompliziert die Hilfe bekommen, die sie brauchen.
Die Vernetzung der Akteur*innen im Gesundheitswesen ist für eine flächendeckende und nachhaltige Gesundheitspolitik in Wiesbaden essentiell. Wir haben daher den Ausbau der EGW (Gesellschaft für ein Gesundes Wiesbaden) als zentrale Vernetzungsakteurin im Gesundheitswesen vorangetrieben und die Stelle einer Gesundheitskoordinatorin für Wiesbaden neu geschaffen. Gesundheitspolitik ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, das durch die EGW in der Stadt sichtbar, besser vernetzt und durch vielfältige Projekte gefördert wird.
Wir haben uns für die Erstellung und Umsetzung eines Hitzeaktionsplans in Wiesbaden eingesetzt. Wiesbaden muss sich in den kommenden Jahren noch besser auf anhaltende Hitzeperioden einstellen: Schattige Orte, der Zugang zu Trinkwasser im öffentlichen Raum im Stadtgebiet und andere gesundheitsspezifische Faktoren müssen als Querschnittsthemen konsequent mitgedacht werden. Mit der Erstellung und Einführung des Hitzeaktionsplans haben wir erste wichtige Leitlinien in der Stadtpolitik geschaffen, die kontinuierlich ausgebaut werden, um uns Wiesbadener*innen bestmöglich vor den drohenden Klimaveränderungen zu schützen. Denn Klimaschutz ist Gesundheitsschutz.
Wir haben in Wiesbaden ein Pilotprojekt „Drug Checking“ durchführen lassen, damit Konsument*innen ihr Konsumrisiko besser einschätzen können und sie so besser vor verunreinigten Drogen geschützt werden. Bei ausgewählten Wiesbadener Partyveranstaltungen werden Drogen, wie Cannabis von Expert*innen auf Verunreinigungen untersucht und gleichzeitig Informations-und Präventionsangebote verstärkt. Die Stadt setzt das Projekt zusammen mit dem Suchthilfezentrum, der Caritas-Fachambulanz und dem Frankfurter Verein Basis um. Das Pilotprojekt soll in späteren Phasen auch das Testen anderer Substanzen beinhalten, um Konsument*innen bestmöglich schützen zu können.
Auch haben wir daran mitgewirkt, dass sich Wiesbaden als Teil des Modellprojekts für einen bewussten und kontrollierten Verkauf von Cannabis in Apotheken bewirbt. Dieses Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Eine verantwortungsvolle Drogenpolitik bedeutet jedoch auch, aktiv Präventions- und Unterstützungsangebote zu schaffen, um Konsument*innen bestmöglich zu schützen.

