Antidiskriminierung, kulturelle Vielfalt und Integration

Vielfalt ist unsere Stärke. In einer zunehmend vernetzten Welt stehen wir für eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Identität oder Behinderung gleichberechtigt teilhaben können. Diskriminierung und Ausgrenzung stellen wir uns entschieden entgegen. Integration verstehen wir als wechselseitigen Prozess, der Teilhabe ermöglicht und Zusammenhalt schafft.

Wir setzen uns für eine Politik ein, die kulturelle Vielfalt als Bereicherung begreift und aktiv fördert. Durch gezielte Maßnahmen wollen wir strukturelle Benachteiligungen abbauen und gleichberechtigte Chancen für alle schaffen. Denn nur eine inklusive Gesellschaft, die Unterschiede respektiert und Gemeinsamkeiten stärkt, kann den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden.

Ein gelingendes Zusammenleben in Vielfalt ist angewiesen auf wechselseitigen Respekt und Toleranz. Der Rahmen ist gesetzt durch unser Grundgesetz und die Regeln des demokratischen Miteinanders.

Was Antidiskriminierung, kulturelle Vielfalt und Integration für uns bedeutet

Schutz der Menschenwürde und Grundrechte

Die Gleichwertigkeit aller Menschen ist in unserem Grundgesetz verankert. Dennoch erleben viele Menschen in Deutschland alltägliche Diskriminierung. Wir stehen für eine konsequente Umsetzung des grundgesetzlichen Diskriminierungsverbots in allen Lebensbereichen und gegen jede Form von Ausgrenzung.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Eine vielfältige Gesellschaft ist nur dann stark, wenn alle ihre Mitglieder gleichberechtigt teilhaben können. Diskriminierung und Ausgrenzung gefährden den sozialen Zusammenhalt und verhindern, dass Menschen ihr volles Potenzial entfalten können. Wir setzen uns für eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung ein, die unterschiedliche Lebensentwürfe respektiert.

Demokratische Resilienz

Rechtspopulistische und extremistische Kräfte versuchen zunehmend, unsere Gesellschaft zu spalten und Minderheiten zu Sündenböcken zu machen. Eine starke Antidiskriminierungspolitik und die Förderung kultureller Vielfalt stärken unsere Demokratie gegen diese Angriffe und fördern ein Klima der Toleranz und des Respekts.

Was wir konkret in diesem Bereich tun wollen

Aktive Teilhabe an der Gesellschaft ist ein Schlüssel für Integration. Wir wollen es Menschen mit Migrationsgeschichte einfacher ermöglichen, über ein Ehrenamt oder eine Vereinsmitarbeit Teil der Gesellschaft zu werden. Dazu wollen wir bestehende Angebote, etwa beim Bürgerkolleg, für die Zielgruppe ausbauen.

Wir GRÜNE wollen migrantische Vereine und Initiativen stärker unterstützen, ihre Selbstorganisation fördern und ihre finanzielle Unterstützung verstetigen. Diese Vereine sind zentrale Anlaufstellen für Integration, Austausch und Empowerment. Wir setzen uns dafür ein, dass sie leichteren Zugang zu Räumen für Begegnung und Beratungsangeboten haben – und ihre wichtige Rolle in der Stadtgesellschaft sichtbarer wird. Zudem wollen wir die Vernetzung zwischen bestehenden und neuen Initiativen fördern. Diese Maßnahmen stärken nicht nur die demokratische Teilhabe, sondern fördern auch den interkulturellen Dialog und das gesellschaftliche Zusammenleben in unseren Kommunen.

Religiöse Vielfalt ist ein wichtiger Teil der kulturellen Vielfalt Wiesbadens. Wir wollen den Dialog zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften fördern, um gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu stärken. Wir wollen interreligiöse Projekte, Veranstaltungen und Netzwerke voranbringen, die Menschen unabhängig von ihrer Religion zusammenbringen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Die Gründung eines Rates der Religionen Wiesbaden als zentrale und beständige Plattform des Austauschs unterstützen wir. Gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften setzen wir uns für gegenseitigen Respekt, friedliches Miteinander und eine Stadtgesellschaft ein, in der Vielfalt als Bereicherung erlebt wird.

Für viele Personen ist es schwierig, Deutschkurse wahrnehmen zu können, wenn es kein Kinderbetreuungsangebot gibt. Damit alle, die es brauchen, auch an den Deutschkursen teilnehmen können, wollen wir sicherstellen, dass es immer ein Kinderbetreuungsangebot gibt.

Wir wollen den Zugang zu Verwaltung und Beratung für alle Menschen in Wiesbaden barrierefrei gestalten – unabhängig von ihren Deutschkenntnissen. Dafür setzen wir auf den Einsatz digitaler Übersetzungs-Tools in Bürger*innenämtern, sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen. Diese ergänzen die bestehenden Dolmetsch- und Sprachmittlerangebote, erleichtern schnelle Verständigung im Alltag und stärken die Selbstbestimmung. So schaffen wir mehr Teilhabe, reduzieren Sprachbarrieren und sorgen dafür, dass alle Menschen wichtige Informationen verstehen können.

Wir GRÜNE wollen die Stadt für alle verständlich gestalten. Behördenwegweiser und Verwaltungsbescheide sollen mehrsprachige Versionen erhalten, mindestens mit kurzen Zusammenfassungen auf Englisch (Executive Summaries). Übersetzungsdienstleistungen sollen niedrigschwellig verfügbar sein – digital oder KI-gestützt, wo möglich. Wiesbaden soll als Viel-Sprachen-Stadt die Realität seiner Vielfalt widerspiegeln.

Wir setzen uns für eine kultursensible Gesundheitsversorgung und Pflege für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte ein. Unser Ziel ist eine soziale Infrastruktur, die unterschiedliche Lebensbiografien respektiert und einbezieht. Deshalb setzen wir uns für den Ausbau mehrsprachiger Beratungs- und Unterstützungsangebote  und die Stärkung interkultureller Kompetenz des Pflege- und Gesundheitspersonals durch gezielte Fortbildungen ein. Die Anerkennung kultureller und religiöser Besonderheiten in Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten muss selbstverständlich werden. Wir fördern zudem gemeinschaftliche Wohnformen für ältere Migrant*innen und unterstützen ihre Selbstorganisationen. Eine würdevolle Versorgung im Alter darf keine Frage der Herkunft sein.

Wir GRÜNE wollen die Vielfalt in Wiesbaden positiv in den Fokus rücken. Mit einer Öffentlichkeitskampagne – Plakate, Buswerbung, Flyer – wollen wir die Beiträge von Menschen mit Migrationshintergrund und queeren Menschen für unsere Stadtgesellschaft zeigen. So machen wir sichtbar, wie sehr diese Wiesbadener*innen unsere Gemeinschaft bereichern, und setzen ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung, Falschinformationen und Hasskampagnen.

Wiesbaden ist eine Stadt mit vielfältiger Einwanderungsgeschichte, die wir in unserer Stadtidentität sichtbar machen wollen. Dazu gehört die Umsetzung eines Gastarbeiter*innen-Denkmals, das vom Ausländerbeirat angeregt wurde, die Einbeziehung migrantischer Geschichte in Ausstellungen des Stadtmuseums und die Benennung von Straßen oder Plätzen nach Persönlichkeiten mit Migrationsgeschichte. So zeigen wir, dass Vielfalt und Migration ein fester Teil unserer Stadtgeschichte sind.

Wir werden Integration und Stadtentwicklung konsequent zusammendenken, um der sozialen und ethnischen Separierung in unseren Städten entgegenzuwirken. Durch gezielte Investitionen in benachteiligte Quartiere schaffen wir lebenswerte Nachbarschaften für alle Menschen. Mit einer durchdachten Wohnungspolitik fördern wir gemischte Wohnquartiere und bekämpfen Segregation.

Unser Ziel ist eine inklusive Stadt, in der Begegnungsräume entstehen und gesellschaftlicher Zusammenhalt wachsen kann. Die öffentliche Infrastruktur – von Schulen über Bibliotheken bis hin zu Grünflächen – muss in allen Stadtteilen gleichwertig ausgebaut sein. Wir setzen auf partizipative Stadtplanung, die Migrant*innen aktiv einbezieht und ihre Bedarfe berücksichtigt. So schaffen wir Räume, die Integration ermöglichen und fördern.

Wir wollen das Amt für Zuwanderung und Integration aus dem Europaviertel in die Innenstadt verlegen – zum Beispiel in einen Leerstand in zentraler Lage – und es zu einem Amt für Zuwanderung, Diversity, Antidiskriminierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt weiterentwickeln. Dieses Amt soll neben den klassischen Aufgaben der Integration ein offenes Forum bieten, in dem Bürger*innen sich informieren, austauschen und Projekte für Vielfalt und Zusammenhalt initiieren können. Nach dem Vorbild von Frankfurt schaffen wir so einen zentralen Ort für Teilhabe und Engagement.

Wir GRÜNE setzen uns für ein Welcome Center ein, das Menschen, die aus dem Ausland nach Wiesbaden kommen, zentral unterstützt. Dort erhalten sie Beratung und Kontakte zu allen wichtigen Fragen rund ums Ankommen: Aufenthalt, Deutsch lernen, Arbeit, Berufsausbildung, Familie und Gesundheit. Das Welcome Center soll ein niedrigschwelliger, verlässlicher und barrierefreier Ort sein, der Orientierung bietet, Integration erleichtert und Teilhabe ermöglicht.

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass die Stadtverwaltung die Vielfalt Wiesbadens widerspiegelt. Durch gezielte Personalentwicklung, Diversity-Schulungen und transparente Einstellungs- und Beförderungsprozesse wollen wir eine vielfältige Belegschaft fördern. Vielfalt in der Verwaltung bedeutet bessere Beratung, gerechtere Entscheidungen und ein Signal der Wertschätzung an alle Wiesbadener*innen. Städtische Stellenanzeigen sollen durch den Hinweis ergänzt werden, dass die Stadt sich für Vielfalt und Chancengleichheit einsetzt und deswegen Menschen mit Migrationsgeschichte ausdrücklich zur Bewerbung ermutigt.

Wiesbaden verfügt über ein etabliertes Integrations-Monitoring, das vor allem Daten zu Migration und Teilhabe erhebt. Wir GRÜNE wollen dieses Instrument zu einem umfassenden Diversitätsmonitoring weiterentwickeln, das auch Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter und soziale Herkunft einbezieht. Damit werden Fortschritte und Barrieren sichtbar – nicht nur im Integrationsbereich, sondern in allen Dimensionen von Vielfalt.
Die Ergebnisse sollen regelmäßig, transparent und verständlich veröffentlicht und mit konkreten Maßnahmen verknüpft werden. So schaffen wir eine verlässliche Grundlage für eine wirksame Antidiskriminierungspolitik und eine Stadt, die Vielfalt aktiv fördert.

Was wir bereits erreicht haben

Die Stadt Wiesbaden hat ihre Website modernisiert, um den Zugang zu Informationen und Dienstleistungen zu erleichtern. Die Seite ist barrierefrei gestaltet und bietet Inhalte in 12 Sprachen an. Darüber hinaus werden Inhalte in Leichter Sprache angeboten, um die Zugänglichkeit weiter zu erhöhen.

Seit 2025 wurde in allen 42 städtischen Kitas die App „Kids Fox“ eingeführt. Diese unterstützt Eltern und Kita-Mitarbeitende bei der Kommunikation und Organisation. Die Anwendung bietet eine automatische Übersetzungsfunktion in 27 Sprachen an. Auch in Schulen, wollen wir eine solche Möglichkeit bieten und eine zentrale Bereitstellung der App “School Fox” über das Medienzentrum prüfen, damit auch in der Schule Familien unabhängig von Sprache und Herkunft gleichberechtigt Zugang zu Bildung und Betreuung haben und Kommunikation zwischen Schule und Eltern für alle gut verständlich ist und ankommt.

Wir haben das WIR-Vielfaltszentrum in Wiesbaden unterstützt und seine Arbeit finanziell abgesichert. Mit zwei Koordinator*innen ist es eine zentrale Anlaufstelle für Vielfalt, interkulturelle Öffnung und Teilhabe. Durch unsere politische Begleitung konnten Projekte im Kulturbereich und in den Stadtteilen verstärkt werden. So fördern wir eine Willkommens- und Anerkennungskultur und schaffen Strukturen, die Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte sichtbar und nachhaltig verankern.

Für sechs Wiesbadener Quartiere (Biebrich, Erbenheim, Klarenthal, Westend, Hollerborn, Sauerland) wurden finanzielle Mittel bereitgestellt, um Nachbarschafts- und Begegnungsprojekte zu fördern. Ziel ist es, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und Lebenswelten zusammenzubringen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und Chancen für benachteiligte Stadtteile sichtbar zu machen. Die Gemeinwesenarbeit trägt damit direkt zur Integration bei, fördert Teilhabe und hilft, Diskriminierung und Ausgrenzung auf lokaler Ebene abzubauen.

Wir haben Fördermittel für kulturelle Integrationsprojekte bereitgestellt und damit Vereine und Initiativen unterstützt, die Begegnung und Austausch schaffen. Von Theater- und Musikprojekten über Filmworkshops bis hin zu mehrsprachigen Angeboten in Kitas: Kultur wird so zu einem Motor für Integration. Durch unsere Förderung stärken wir Teilhabe, Sichtbarkeit und den Zusammenhalt in einer vielfältigen Stadtgesellschaft.

2024 haben wir das Projekt „Bleib in Wiesbaden – Arbeitsmarkt- und Integrationsberatung für Geduldete und Gestattete“ auf den Weg gebracht. Ziel ist es, für Menschen, die oft seit vielen Jahren in Wiesbaden leben, endlich Perspektiven zu eröffnen. Das Projekt bietet Beratung, Unterstützung bei Aufenthaltsklärung und Zugang zum Arbeitsmarkt. Schon wenn 29 Personen aus dem Leistungsbezug in Arbeit kommen, trägt sich das Projekt selbst. Damit schaffen wir Teilhabe, Perspektiven und echte Chancen für langjährig Geduldete.

Wir haben dafür gesorgt, dass queere Geflüchtete in Wiesbaden sichtbar unterstützt und gut integriert werden. Durch politische Entscheidungen haben wir Kooperationen zwischen der Stadt, der AIDS-Hilfe Hessen und anderen Organisationen gefördert. Das Projekt „Rainbow Refugee Support“ bietet Beratung, Begleitung bei Asylverfahren, psychosoziale Unterstützung und Gruppenangebote, um Isolation zu verhindern. Wir GRÜNE haben damit den Rahmen geschaffen, damit queere Geflüchtete Schutz, Empowerment und Teilhabe in unserer Stadt erfahren können.