Land- und Forstwirtschaft

Land- und Forstwirtschaft sind weit mehr als nur Wirtschaftszweige – sie sind die Grundlage unserer Ernährung, unserer Landschaften und unseres Klimas. Ob in der Stadt oder auf dem Land: Die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, wirkt sich unmittelbar auf unsere Lebensqualität, unsere Gesundheit und unsere Umwelt aus.

Wir stehen vor der Herausforderung, eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu gestalten, die ökologisch nachhaltig sowie wirtschaftlich tragfähig ist und deren Erzeugnisse sich jeder Haushalt leisten kann.

Wälder sind seit Jahrmillionen die Motoren wesentlicher Stoffkreisläufe. Wir stellen ihre ökologische Funktion in den Mittelpunkt unserer Waldentwicklungsstrategie, denn klimaresiliente Mischwälder sind die Garanten für sauberes Trinkwasser, reine Luft, den Erhalt der Artenvielfalt und für eine kühlere Stadt in heißen Sommern.

Was zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft für uns bedeutet

Naturschutz durch Landwirte

Wir stehen für eine Politik, die  gemeinsam mit Landwirt*innen für den Schutz unserer Natur arbeitet. Diese verfügen über fundiertes Wissen darüber, wie wichtig gesunde Böden, sauberes Wasser und Artenvielfalt sind – Grundlagen, von denen sowohl ihre Arbeit als Landwirt*innen existenziell abhängt als auch unser gesamtes Ökosystem.

Gesunde Böden fördern

Unsere Böden sind Basis für fast alles, was auf unseren Tellern landet und für den Erhalt der Biodiversität unabdingbar. Wir unterstützen  eine Bewirtschaftung, die dauerhafte Vitalität garantiert.

Wald und Wild zusammendenken

Ein intakter Wald lebt von Balance. Für uns ist es entscheidend, dass Politik gleichermaßen auf den Schutz der Wildtiere und die Gesundheit unserer Wälder achtet und dabei eng mit Jäger*innen zusammenarbeitet.

Regionale, gesunde Ernährung stärken

Uns ist es wichtig, dass in unserer Region gesunde Nahrungsmittel zu erschwinglichen Preisen erzeugt werden. Gute Lebensmittel sind die Grundlage für ein aktives und genussvolles Leben – für uns, unsere Kinder und Enkelkinder. Und zwar für alle, und nicht etwa als Privileg einiger weniger.

Einsatz für mehr Tierwohl

Industrielle Massentierhaltung verursacht Tierleid, belastet Wasser und Klima und kann unsere Gesundheit gefährden. Wir setzen uns für artgerechte, regionale Tierhaltung ein.

Kulturlandschaften bewahren

In den kleinteiligen Strukturen unserer Landwirtschaftsflächen steckt ein unglaublicher Schatz an biologischer Vielfalt und kulturellem Erbe. Sie spiegeln einen achtsamen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen wider.

Was wir konkret in diesem Bereich tun wollen

Wald ist einer unserer wichtigsten CO2-Speicher, er sorgt für Frischluft, Artenschutz, Grundwassererneuerung und Erholung – und dient nicht zuletzt auch der Rohstoffbereitstellung. Unser Stadtwald – mit der berühmten „Griechischen Kapelle“ und dem Opelbad – ist eines der Wiesbadener Wahrzeichen, eine Quelle unserer Lebensqualität und liegt uns deshalb besonders am Herzen. Wir wollen, dass konkurrierende Nutzungen konstruktiv gelöst werden und der Wald naturnah weiterentwickelt wird, um die Resilienz gegenüber steigenden Temperaturen, Dürrephasen, Starkregen und Stürmen zu stärken. Nur so kann der Kühlungseffekt für die Innenstadt erhalten werden. Wir wollen uns dafür einsetzen, im Stadtwald umweltfreundliches Holzrücken mit Pferden zu verstärken und sichtbar zu machen. So kann die Stadt Wiesbaden den wertvollen Waldboden schonen, den Verbrauch fossiler Brennstoffe reduzieren und wird Vorbild für eine ganzjährig naturnahe Waldpflege.

Landwirtschaft braucht gesunde Äcker. Wir wollen Bodenschutz und regenerative Bewirtschaftung stärken, so dass unsere Ökosysteme erhalten bleiben. Sie sind Grundlage für unsere regionale Lebensmittelproduktion und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Artenvielfalt. Eine künftige Bodenpolitik muss ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte verbinden. Der Verlust von fruchtbaren Böden durch Bebauung und Versiegelung ist unumkehrbar und daher nicht zu tolerieren. Wir wollen, dass die Stadt Wiesbaden die zusätzliche Versiegelung von Feldwegen stoppt. Wo es möglich ist und keine Nutzungskonflikte (z. B. mit Radwegen) bestehen, sollen Feldwege stattdessen wieder entsiegelt werden – denn einige heimische Wildtiere sind auf offene Böden, etwa als Baustoffquelle, angewiesen. Um das Bewusstsein für den Wert vitaler Böden zu stärken, wollen wir, dass die Stadt Wiesbaden städtische Flächen für Gemeinschaftsgärten und Permakultur- Projekte zur Verfügung stellt.

Unsere Landwirt*innen sind die wichtigsten Partner für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die Sicherung unserer Ernährung. Wir wollen eine Landwirtschaft, die ökologisch verträglich, wirtschaftlich tragfähig und für alle bezahlbar ist. Dafür muss  der Anbau im Hinblick auf Klimawandel und Extremwetterereignisse resilient sein. Die Umstellung auf ökologischen Landbau ist ebenso eine Investition in die Zukunft wie z.B. die Einführung der digitalen Landwirtschaft. Wir wollen, dass die Stadt Wiesbaden die Landwirt*innen bei diesen Schritten aktiv unterstützt, um weiteres Höfesterben zu stoppen.

Die Wiesbadener Landwirtschaft ist eine Stütze unserer Ernährungssicherheit. Globale Krisen zeigen, wie wichtig eine unabhängige und krisenfeste Nahrungsmittelproduktion ist. Gleichzeitig reduziert sie den Energieaufwand für den Transport bis zum Verbraucher. Dazu wollen wir, dass die Stadt Wiesbaden eine lokale Infrastruktur aufbaut und regionale Vermarktung fördert. Hierzu zählt die Förderung von Wochenmärkten, insbesondere in den Vororten. Wir unterstützen das Konzept der kurzen Wege und eine neuartige Nahrungsmittelproduktion, wie zum Beispiel vertikale Landwirtschaft und Aquaponik.

Wir setzen uns für Bewirtschaftungsformen ein, die ohne synthetische Pflanzenschutzmittel auskommen und damit Böden, Gewässer, unsere Gesundheit sowie die gesamte heimische Tier- und Pflanzenwelt schützen. Dort, wo dies noch nicht möglich ist, wollen wir, dass dünger- und pestizidfreie Uferzonen an Bächen und Gewässern eingerichtet und vergrößert werden, um Schadstoffeinträge zu mindern. Zum Schutz der Artenvielfalt wollen wir, dass die Stadt Wiesbaden das Bewusstsein für die Bedeutung von Blühstreifen und Hecken fördert. Perspektivisch wollen wir, dass die Landschaftspflege verstärkt als zusätzliche Einkommensquelle für die Landwirte gesichert ist.

Streuobstwiesen und naturnah bewirtschaftete Weinberge prägen nicht nur unsere Kulturlandschaft, sondern sind auch unverzichtbare Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen, sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Rund um Wiesbaden gibt es noch einen erfreulich großen Bestand alter Streuobstwiesen, deren Schutzstatus wir durch die Stadt Wiesbaden dauerhaft absichern wollen. Wir unterstützen ihre Pflege und stärken die lokale Vermarktung, damit Streuobstprodukte wieder mehr Wertschätzung erfahren und die Bewirtschaftung sich lohnen kann.

Mit Obstbaum-Patenschaften, Pflegeaktionen und Ernteprojekten wollen wir Bewusstsein für den Wert dieser Lebensräume und aktivieren zivilgesellschaftliches Engagement schaffen. Wir wollen, dass die Stadt  gemeinschaftliches Engagement unterstützt und Streuobstwiesen-Patenschaften fördert, bei denen sich zum Beispiel Innenstadtbewohner*innen mit den Menschen aus den Vororten gemeinsam um die Streuobstwiese kümmern.

Mit der Domäne Mechtildshausen besitzt die Stadt Wiesbaden einen Vorzeigebetrieb ökologischer Landwirtschaft und Handwerksbetriebe, der Hofläden, Gastronomie und Pferdestall umfasst. Er gehört zu der Wiesbadener Jugendwerkstatt (WJW), die sozial benachteiligte Jugendliche und Erwachsene ausbildet und eine breite Palette weiterer Bildungsangebote bereitstellt. Wir setzen uns dafür ein, dass die WJW – einschließlich der Domäne Mechtildshausen – in dieser Form erhalten bleiben.

Darüber hinaus wollen wir, dass mit standortangepassten Pflanzungen experimentiert und der Wissenstransfer zwischen Forschung und landwirtschaftlicher Praxis verbessert wird. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Lernorte für innovative Landwirtschaft eingerichtet werden, an denen praktische Erfahrungen weitergegeben werden.

Unsere Wälder sind nicht nur Ansammlungen von Bäumen, sie sind die Lungen unseres Planeten und Schatzkammern der Biodiversität.

Wir setzen uns für ein Informations- und Medienprogramm ein, das insbesondere Kindern und Jugendlichen die Bedeutung des Waldes auch als digitale Angebote nahebringt. Die Zusammenarbeit der städtischen Förster*innen mit Schulen, Kitas und Umweltverbänden wollen wir stärken. Waldführungen, Projekttage und Umweltbildungsangebote gehören dazu. Durch Dialogformen der Stadt Wiesbaden mit der Bevölkerung direkt im Stadtwald wollen wir die Wiesbadener*innen in die Strategien der ökologischen Waldbewirtschaftung einbeziehen und deren Kenntnisse im Rahmen von Citizen-Science-Projekten nutzen.

Der Stadtwald ist ein unverzichtbarer Teil unserer Heimat und ein Erholungsraum, der allen Bürger*innen frei zur Verfügung steht. Wir wollen die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV aus der Innenstadt herstellen und gleichzeitig sensible Bereiche vor Störungen schützen. Barrierefreie Wege, Waldspielplätze und Verweilmöglichkeiten sollen allen Menschen entspannt Naturerlebnisse ermöglichen. Wir wollen, dass die Stadt darauf achtet, dass Waldspazierwege nicht durch das Gebiet der sensiblen Wildkatze führen. Jäger*innen sind wichtige Mitwirkende an der Waldgestaltung. Wir setzen uns dafür ein, dass  sich die Jagd verstärkt an ökologischen Kriterien orientiert und eine natürliche Waldverjüngung ermöglicht. Wiesbaden hat deswegen ein ökologisches Jagdkonzept eingeführt, das den Waldumbau unterstützt und gleichzeitig tierschutzgerechte Jagdmethoden sicherstellt. Nur wenn alle Waldnutzer*innen zusammenarbeiten, können wir unsere Wälder für die Zukunft bewahren. Wir engagieren uns, dass die Zertifizierungen nach FSC und Naturland fortgeführt werden.

Wir fördern die Anliegen des Tierheims Wiesbaden und unterstützen den Cyperus-Park, den Tierpark Kastel und die Fasanerie. Wir unterstützen die Aufklärung über den verantwortungsbewussten Umgang mit neu eingewanderten Tierarten. In der Innenstadt setzen wir uns für einen artgerechten und wissenschaftlich gestützten Umgang mit beispielsweise den Tauben- und Nilgans-Populationen ein.

Was wir bereits erreicht haben

Der Wiesbadener Stadtwald erhielt diese Auszeichnung für unsere naturnahe Bewirtschaftungsweise sowie für die langjährige FSC- und Naturland-Zertifizierung. Mit dem gezielten Einsatz von Holzrückepferden im Stadtwald hat die Stadt einen erfolgreichen Weg zur Verbindung von Ökologie und Ökonomie etabliert.

Unser neues Jagdkonzept wird gleichermaßen den Bedürfnissen des Waldes und seiner Wildtiere sowie zeitgemäßen Jagdanforderungen gerecht.

Für alte und gefährdete Nutztierrassen hat die Stadt Wiesbaden die Fasanerie zu einem Arche-Park mit umfassendem Programm und Bildungsangeboten entwickelt.

Zusammen mit dem Naturpark RheinTaunus hat Wiesbaden ein innovatives Wegekonzept erarbeitet und 2500 km Wanderwege digital zugänglich gemacht.

Landschaftsplanung und Umweltprüfung für den neuen Flächennutzungsplan sowie für den Regionalplan Südhessen schaffen Transparenz. Sie liefern eine solide fachliche Basis für künftige Entscheidungen – auch und insbesondere für Bürger*innen.